Abschied in Rodgau-Jügesheim

Wir stehen kurz davor, von unserer so erfolgreichen Ausstellung „Bilder und Texte an Mauern“ Abschied zu nehmen. (Siehe auch Seite 8 des Beiheftes) Ab dem 26. April werden wir in der Evangelischen Emmausgemeinde Rodgau-Jügesheim mit rund 50 Großfotos zu Gast sein, und dort werden die Bilder bis zum 28. Mai 2009 hängen. Danach ist kein Termin mehr gebucht. Edith und Peter Wald, die im Förderverein Medizinisches Zentrum Beit Sahour vorwiegend für die Logistik des Ausstellungs-Projektes zuständig gewesen sind, werden eine Sommerpause einlegen. So ist es an der Zeit, noch einmal Rückschau zu halten auf die Veranstaltungen, die im Herbst 2007 in Köln begonnen hatten.

Wir erinnern uns besonders gern an die Ausstellung anlässlich der Jubiläumstagung des Berliner Missionswerk im Frühjahr 2008, denn dort bot sie zahlreichen Pastorinnen und Pastoren der Evangelischen Kirche Deutschlands Gelegenheit, rund 40 Fotos zu sehen und zu begutachten. Eine Einladung, die Bilder im Eingangsbereich des Evangelischen Kirchenamtes in Bielefeld zu zeigen, folgte bald darauf. Kirchen in Wipperfürth, Siegen und Hamburg-Stellingen waren weitere Stationen. Unsere Freude an der Zusammenarbeit mit der Kirche erlitt nur einmal dadurch eine Trübung, dass die vereinbarte Ausstellung zur Synode der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Zwickau trotz gründlicher Vorbereitung und auch einiger Investitionen kurzfristig ohne Begründung abgesagt wurde.

Unvergessen ist die Großveranstaltung im Spätsommer 2008 auf dem Münsterplatz zu Bonn: Sie stand unter dem Motto „60 Jahre Staat Israel – 60 Jahre Naqba“. Zusammen mit dem Friedensbündnis Bonn, der Deutsch-Palästinensischen Gesellschaft, der Jüdischen Stimme für gerechten Frieden in Nahost (um nur einige der Veranstalter zu nennen) konnten wir unsere Bilder an Stellwänden unter freiem Himmel zeigen. Wir trugen so dazu bei, den zahlreichen Besuchern des Münsterplatzes zu verdeutlichen, dass die Gründung des Staates Israel im Mai 1948 für Hunderttausende von ansässigen Palästinensern eine „Naqba“, eine Katastrophe, bedeutete. Als besonders wichtig empfanden wir die Ausstellung in je einem Berufsschulkolleg in Bonn und in Remscheid. Hier konnten sich zahlreiche junge Menschen im Alter von etwa 15 bis 19 Jahren mit den Bildern und dem zusätzlichen Informationsmaterial auseinandersetzen, vielleicht eine Wissenslücke zum Spannungsfeld zwischen Israelis und Palästinensern füllen.

Höhepunkte in der Serie brachten auch die Veranstaltungsorte Göttingen und Iserlohn. In Göttingen stand uns der Eingangsbereich des Neuen Rathauses zur Verfügung. Dort garantierte der wochentägliche Besucherverkehr für ein reges Publikumsinteresse, und zwei Begleitprogramme auf dem Höhepunkt der israelischen Gaza-Offensive erlangten unvermittelt besondere Aktualität. In Iserlohn bot die zum Kulturraum umgewidmete Reformierte Kirche ausreichend Platz für alle verfügbaren Bilder, sodass dort über 50 Großfotos gut sichtbar und dazugehörige Schrifttafeln gut lesbar untergebracht waren. Fleißige Gemeindemitglieder sorgten dafür, dass auch wochentags die Ausstellung für den Publikumsverkehr geöffnet war.

Und nun Rodgau-Jügesheim. Dort hat man für unsere Ausstellung den Titel Bilder an der Mauer gewählt. Gemeint ist mit „der Mauer“ die von Israel errichtete Sperranlage, die sich gerade im Bereich des Städtedreiecks Beit Jala, Bethlehem, Beit Sahour als bedrohlich wirkendes, acht Meter hohes Betonmonster (mit Stacheldrahtbesatz neun Meter) darbietet. (Siehe Begleitheft Seite 23) Die von Palästinensern auf diese Mauer geschriebenen Proteste gegen das Eingesperrtsein sind meistens keine hasserfüllten Sprüche, sondern eher Ausdruck von Frustration oder Sarkasmus. Sie manifestieren allerdings auch die Bereitschaft, sich nicht durch die äußerst beschwerlichen Lebensumstände oder Schikanen der Besatzungsbürokratie aus Palästina verdrängen zu lassen. Sprayer, auch aus der internationalen Szene, sind an „der Mauer“ zu großer Form aufgelaufen. Man kann in ihren Bildern keine wahren Kunstwerke sehen. Es geht nicht um Kunstwerke, aber die Bilder sind überwiegend originelle, oft witzige oder ironische Reaktionen auf den Willkürakt einer übermächtigen Militäradministration.

Es sei uns gestattet, darauf hinzuweisen, dass wir auch Bilder an anderen Mauern als nur an „der Mauer“ in Palästina gefunden haben. Zum Beispiel ist das Flüchtlingslager Aida bei Bethlehem von einer in ihrer Dimension bescheidenen Mauer umgeben, und die verputzten Wände sind von Lagerbewohnern mit Erinnerungsbildern an die 1948 verlorenen Heimatorte im heutigen Israel geschmückt worden. Mögen die jetzigen Bewohner auch die Kinder oder Enkel der Vertriebenen und Flüchtlinge von 1948/49 und von 1967 sein – jedes Erinnerungsbild zeigt etwas Charakteristisches für die damals den Einheimischen entrissenen Heimatorte. Wir haben 10 Stück jener Bilder zu einem Leporello zusammengestellt, das für 5 € bei den Veranstaltern erworben werden kann.

Zum Schluss ist der Kölner Fotografin Christel Plöthner und unserer Geschäftsführerin Karin Mitri zu danken, die ab September 2007 bis zum Frühjahr 2009 wiederholt neue Aufnahmen von Bildern an der Mauer aus Palästina mitgebracht haben. Ebenso danken wir den vielen Helfern – Freunden, Veranstaltern, Hausmeistern, Küstern und Küsterinnen – die uns unterstützt haben, mit den Fotos von Ort zu Ort zu kommen und dort aus dem Transportgut eine interessante Ausstellung zu machen.