Katharina würdigt Orli

Katharina Langfeldt, Schülerin im 12. Jahrgang des Ernst-Barlach-Gymnasiums in Kiel, hat rund 47 Jahre nach deren Tod Orli Wald als ihr großes Vorbild entdeckt. Die Entdeckung war kein Zufall: Katharinas Familie hatte in den Jahren 1948 bis 1962 einen engen Kontakt zu Orli und Edu Wald. Von den Mitgliedern dieser Familie erfuhr Orli früh die Art von Zuwendung, derer sie nach neun Jahren schrecklichster Zuchthaus- und KZ-Lager-Haft so dringend bedurfte, die sie von der Gesellschaft aber noch nicht bekommen konnte. Zahlreiche Erinnerungsfotos der Familie Gerlt brachten Katharina auf die Spuren Orlis in Hannover. Unterstützt von ihrer Mutter Kirsten Gerlt-Langfeldt entschloss Katharina sich im Jahr 2008, mit einer zusammenfassenden Darstellung des dramatischen wie tragischen Lebenswegs von Orli Wald, geb.Torgau am Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten teilzunehmen. Sie errang mit ihrer Arbeit den Landespreis für Schleswig-Holstein.

„Heldin von Auschwitz“ – „Engel von Auschwitz“ sind Attribute, die andere Überlebende der KZ-Lager Orli beigegeben hatten. Katharina Langfeldt übernimmt nicht einfach die Beinamen ihres Vorbilds, sondern hinterfragt sie. Sie gelangt schließlich zu der Erkenntnis, dass diese Frau ein Mensch, gewiss ein außerordentlicher Mensch, gewesen ist. Orli gewann Kraft dadurch, dass sie unter eigener Lebensgefahr immer wieder anderen Häftlingsfrauen beistand und manche vor dem sicheren Tod zu retten vermochte. Als Vorbild konnte sie Mitgefangene motivieren, ein Netzwerk von Helferinnen zu bilden. Orlis Wirken hatte etwas heldenhaftes, doch sie wollte selber nicht als Heldin bezeichnet werden.

Hier einige Thesen aus der Arbeit von Katharina Langfeldt: „Es war für die Häftlinge außerordentlich wichtig, dass das Krankenrevier in den Händen guter Kameradinnen lag.“

„Die sozusagen im Untergrund organisierten Häftlinge versuchten Leben zu retten, Lebensbedingungen...zu erleichtern, Informationen weiterzugeben...“

„Orli gehörte nicht zu den orthodoxen Kommunistinnen, sondern eher zu den liberal-humanistisch orientierten Genossinnen.“

„An der Aufarbeitung der NS-Vergangenheit war man in den 50erJahren wenig interessiert.“

„Es sollte ein Buch über Auschwitz entstehen. Orlis Kraft und Nerven reichten allerdings nicht mehr für ein ganzes Buch. Es entstanden nur einige Aufsätze und eine fortlaufende Schilderung von Einzelschicksalen...“



Urkundenübergabe im Kieler Landtag (Katharina Langfeldt ganz links)