Zum hundertsten Geburtstag Otto Brenners,

am 8. November 2007, würdigte die IG Metall ihren früheren Vorsitzenden. Sie förderte die Publikation einer dreibändigen Biografie. Im Mittelpunkt stehen die Jahre ab 1953 als Ko-Vorsitzender, dann als alleiniger Vorsitzender der IG Metall.
In jenen Jahren bis zu seinem Tod im April 1972 war Frankfurt a.M. sein Wohnort. Otto Brenner hat aber 46 Jahre in Hannover gelebt. Über Kindheit, Jugend und frühes Arbeitsleben in der Geburtsstadt hinterließ er uns keine Selbstdarstellung. Es blieben allerdings rund 300 Briefe mit über 500 Seiten erhalten, die er von 1933 bis 1953 an seine Frau und später auch an seine Tochter geschrieben hatte. Diese Briefe dienten als Grundlage für eine rekonstruierte Autobiografie. Hauptautor des Buches über die Jahre in Hannover ist Otto Brenner selbst. Er wurde am 30. August 1933 verhaftet und in das Polizeigefängnis gebracht. Den ersten Brief an Martha, seine Frau, durfte er im Dezember 1933 schreiben, nun aus dem Gerichtsgefängnis in der Leonhardstraße. Bis zum September 1935 blieb er ein Gefangener der neuen Machthaber unter dem Reichskanzler und „Führer“ Adolf Hitler.

Ab 1936 schrieb er als Elektromonteur Briefe aus Orten in der weiteren Umgebung Hannovers. Endlich hatte der „politisch Vorbestrafte“ eine Anstellung in seinem erlernten Beruf bekommen und musste nun neu erbaute Zement- oder Zuckerfabriken an’s elektrische Netz bringen. Der Arbeitsalltag im „Dritten Reich“ spiegelt sich in manchen dieser Briefe. Von Mitte 1943 an bis nach dem Kriegsende für Deutschland im Frühjahr 1945 gingen die Briefe an Frau und Kind nach Moringen. Martha und Heike waren, wie viele tausend andere Hannoveraner, evakuiert worden. Nun schrieb er, oft im Keller oder im Bunker, seine Berichte über den Niedergang Hannovers im Luftkrieg.
Kaum hatten am 10. April 1945 amerikanische Truppen die Stadt an Leine und Ihme von den Nazis befreit, gesellte Otto Brenner sich zu den Männern, die mit dem Aufräumen und dem Wiederaufbau der Stadt, aber auch mit dem Versuch des Aufbaus einer neuen Gesellschaft begannen.

Es wurden den Briefen 75 Auszüge entnommen. Sie zeigen, dass der Schreiber viele Tugenden besaß, die Oskar Lafontaine in seiner großen Arroganz einmal beim damaligen Bundeskanzler Helmut Schmidt als „Sekundärtugenden“ abzuwerten versuchte. Besonders Ordnungsliebe, Pünktlichkeit, Tagesplanung mit Stichworten, systematisches Denken, Offenheit für Beratung und Lernbereitschaft bis zum frühen Tod machten Otto Brenner zu einem Großen der deutschen und der internationalen Gewerkschaftsbewegung.

Das Buch ist im November 2007 im Steidl-Verlag, Göttingen erschienen.
ISBN 978-3-86521-650-2 (Einzelband)
ISBN 978-3-86521-651-9 (Gesamtedition)
©: 2007 Peter Wald