Orli Wald, geb. Torgau, war Mitglied der kommunistischen Jugendorganisation in Trier und geriet mit 22 Jahren in die Fänge der Gestapo. Neun Jahre hat sie in Gefängnissen und Konzentrationslagern überstanden. Die "grüne Pappe", die ein vergittertes Fenster nochmals nach außen hin abschließt, steht für diese KZ-Welt. 1942 wurde sie im ersten Frauentransport nach Auschwitz gebracht und hat das Lager erst wieder im Januar 1945 in einem der Todesmärsche verlassen, bevor es von der Roten Armee befreit wurde. In einem Sanatorium in Sülzhayn/Harz lernte sie den Redakteur Eduard Wald kennen, ebenfalls Widerstandskämpfer und Gestapo-Häftling. Er stand der durch die Haft physisch und psychisch Gebrochenen in ihrem neuen, oft demütigenden Kampf um die Anerkennung als Opfer des Faschismus und um Haftentschädigung bei.

Bernd Steger und Günter Thiele hatten 1989 die inzwischen vergriffene Studie "Der dunkle Schatten – Leben mit Auschwitz. Erinnerungen an Orli Reichert-Wald" veröffentlicht. Der Zugang zu neuen historischen Quellen und der Fortschritt der historischen Kenntnisse über die Lebensbedingungen in den Konzentrationslagern haben ein genaueres Bild dieser Biografie entstehen lassen. Die in den Text eingebundenen autobiografischen Impressionen unterstreichen den Charakter einer Frau, die in den extremen Lebensumständen von Auschwitz mit Todesmut eine tiefe Humanität verteidigt hat.

Besprechung im Triericher Volksfreund   27. Jan. 2009

Nach einer Lesung in Kiel am 31. Januar 2010 schrieb einer der Mitveranstalter, Arnim Mennecke:
Die Lesung hat mich sehr berührt. Nachdem ich mich zur Vorbereitung des Pressetexts ein wenig schlau gelesen hatte über das Leben Orli Walds, war ich vor allem auf ihre eigenen Texte gespannt. Tief beeindruckt hat mich die schlichte, expressive Sprache, mit der sie eine Form für die Beschreibung ungeheuerlicher Vorgänge fand, und auch von ihrem Engagement für ein Opfer der fehlgeleiteten Aufarbeitung in der Nachkriegszeit.




©: 2007 Peter Wald