Christel Plöthner und ihre Ausstellungen

„Ich hoffe sehr, dass mein Anliegen, die Menschen in Köln und Bethlehem einander näher zu bringen und eine Verbindung zwischen ihnen aufzubauen, geglückt ist und auch Sie Lust bekommen, in dieses wundervolle, doch so traumatisierte Land zu reisen“

Jene Worte schrieb 2006 die Fotografin Christel Plöthner in einer Danksagung an die Förderer und Helfer ihrer Arbeit am Bildband „Minsche wie mir“. Was sie das „wundervolle, doch so traumatisierte Land“ nannte ist das kleine Stück Rest-Palästina ca. 10 km vor den Toren der Altstadt Jerusalems, genannt das Städtedreieck Beit Jala, Bethlehem und Beit Sahour. Das Dreieck war damals schon durch eine acht Meter hohe Betonmauer vom Rest der Welt abgesperrt worden. Israel ließ wissen, die Sperrmauer solle seine Bevölkerung vor weiteren Selbstmordattentaten schützen, geriet jedoch in den Verdacht, wieder Landraub zu betreiben. Die Sperranlagen – über Land auch elektronisch gesicherte und mehrfach armierte Zäune – ragen an vielen Stellen in das palästinensische Autonomiegebiet hinein. Diese erneute Bedrängung nach damals schon 39 Jahren Besatzungsregime hatte die Menschen von Beit Jala, Bethlehem und Beit Sahour traumatisiert. Christel Plöthner fühlte sich dazu veranlasst, von Köln aus eine Brücke nach Bethlehem zu bauen. Bethlehem hat Christel Plöthner in Zusammenarbeit mit dem Verein der Städtepartnerschaft Köln-Bethlehem in den letzten zehn Jahren mehrfach besucht. Jedes Mal vertieften sich ihre Erkenntnisse und sie begann die dramatischen politischen und sozialen Verhältnisse, die vor und hinter dem Alltag liegen, zu durchschauen. Das machte es ihr möglich, in ihrem Köln-Bethlehem-Buch uns den Alltag der anderen Seite scharf vor Augen zu führen.

„Minsche wie mir“, verkündet auf Kölsch der Buchtitel, „Menschen wie wir“. Er suggeriert dem deutschen Publikum, dass in Bethlehem und Umgebung Menschen „wie du und ich“ leben. Das tun sie in der Tat – nur unter vielfach schwierigeren Bedingungen als heute ihre Partnerinnen und Partner in Köln am Rhein. Das Erscheinen des Buchs wurde begleitet von Ausstellungen der Fotos Christel Plöthners im Stadtmuseum zu Köln und im Friedenszentrum zu Bethlehem.

Das Köln-Bethlehem-Buch war der Höhepunkt einer schon sechsjährigen Vorarbeit. Ihre erste Reise zum „heiligen Land“ unternahm Christel Plöthner im Frühjahr 2000. Bald darauf war im Kölner Stadthaus ihre Ausstellung „Bethlehem – Bilder einer Stadt“ zu sehen. Köln, mit Bethlehem in einer Städtepartnerschaft verbunden, blieb der bevorzugte Ausstellungsort für die schwarz-weißen Bilder der Meisterfotografin Plöthner. 2001, 2005, 2006, 2007, 2009 – immer wieder bediente sich die Stadt am Rhein ihrer Fotos, um den Kölnern und den Bethlehemern die gemeinsame Verbundenheit vor Augen zu führen. Im Jahr 2007 erhielt Christel Plöthner als erste Preisträgerin den Hans-Jürgen-Wischnewski-Preis des Städtepartnerschaftsvereins Köln-Bethlehem. Wie der 2005 verstorbene ehemalige Bundesminister, ein Freund Willy Brandts und Helmut Schmidts, Brücken aus Deutschland in die arabische Welt gebaut hatte, so hatte Christel Plöthner wenigstens eine Brücke zu den Palästinensern „hinter der Mauer“ zustande gebracht. Dafür wurde sie in Köln geehrt. 2009 bedankte sie sich noch einmal mit einer Foto-Ausstellung im Spanischen Bau aus dem Frauenhaus in Bethlehem. Man könnte meinen, die Arbeiten zu Bethlehem und Umgebung wären das Lebenswerk der 59-jährigen Christel Plöthner. Doch bei aller Fokussierung auf jenes Gebiet – die Kölnerin kann auch anders. Das hat sie mit publizierten Arbeiten zum Kölner Rosenmontagszug 1991 und zu Fritz Gruber, dem legendären Mitbegründer der FOTOKINA, um nur einige zu nennen, bewiesen. 2009/10 also die Ausstellung BETHLEHEM – Bilder einer Region. Die Fotografien entstanden 2008 bei einem Aufenthalt in Palästina. „Die Mauer“, die von Israel errichtete Sperranlage, vermittelt den Menschen jener Region das Gefühl, in einem Gefängnis zu leben. Die Bilder der Mauer bilden ein wiederkehrendes Motiv der Unmenschlichkeit, das im Kontrast zu den Menschen steht, die auf den Portraits gezeigt werden.

Katalog zur Ausstellung