Flyer zum Buch
Entstehungsgeschichte und Inhalt des Buchs
wird in meiner Vorbemerkung wie folgt skizziert:

„Erinnerungen an die Schulzeit hatte ich lange verdrängt. Die Schulzeit, für das Bewusstsein des jungen Menschen von starker Bedeutung, war ganz in jenen Abschnitt der deutschen Geschichte gefallen, den die meisten Deutschen nach 1945 möglichst bald vergessen wollten. Ich war keine große Ausnahme. Zwar wuchs meine Empörung, je mehr Einzelheiten über die von den Nazi-Herrschern veranlassten Gräueltaten und deren ganzes Ausmaß bekannt wurden. Die in den Nürnberger Kriegsverbrecher-Prozessen verhängten Strafen fand ich überwiegend zu leicht, wenn nicht gerade Todesurteile fielen. Aber wie hatte ich selber mich verhalten? Gewiss, ich war kein Nazi gewesen, jedoch auch kein Widerstandskämpfer, sondern ein scheinbar Angepasster. Und schon bald hatte ich große Mühe, um mich, den 18jährigen mit einer Volksschulbildung, tauglich für das neue Leben zu machen. Dieses Bemühen führte mich dann bald weit weg von Deutschland, und als ich 1972 zurück kam, war die Aufarbeitung der deutschen Nazi-Vergangenheit kein Thema. Erst als ich gegen Ende des vorigen Jahrhunderts im Nachlass meiner verstorbenen Mutter 80 Briefe meines Vaters aus Gefängnissen und Lagern des sogenannten Dritten Reiches fand, wurde die Erinnerung wieder lebendig.

Rezensionen

Im „Vorwärts“ Nr. 6/2003 schrieb Martin Weiss:

„Peter Wald hat ein ergreifendes Zeitdokument geschaffen, das viel mehr ist als ein weiterer Versuch, die Nazi-Zeit autobiografisch aufzuarbeiten. Der Autor beschreibt die Zeit von 1936 bis 1948 aus der Sicht des Sohnes eines von den Nazis verfolgten Antifaschisten-Ehepaares in Hannover. Der Vater, den er fast nur von dessen Briefen aus dem Gefängnis kennt und seine überaus starke Mutter prägen mit ihrer konsequent antifaschistischen Erziehung den Jungen so stark, dass er die unvermeidlichen Zwiespälte seiner Jugend in der Nazi-Welt unbeschadet durchstehen kann... Was das Buch über das persönliche Schicksal des Autors hinaus interessant macht, sind bisher unbekannte Details über die Wiederanfänge der SPD in Hannover, über seinen Onkel, den späteren Gewerkschaftsführer Otto Brenner und über den SPD-Vorsitzenden Kurt Schumacher. Es ist somit auch ein Zeitdokument über die Selbstfindungsprozesse der politischen Linken in Deutschland im beginnenden Kalten Krieg.“

In der „Süddeutschen Zeitung“ schrieb am 26.März 2003 Rudolph Chimelli:

„Von den Stapeln der Memoirenliteratur über das Dritte Reich unterscheidet sich das Buch gründlich. Der Verfasser, später Journalist, erinnert sich nicht als Handelnder, nicht als direktes Opfer, sondern als leidendes und mitleidendes Kind. Als Vierjähriger hatte er den Vater zum letzten Mal gesehen. Beim nächsten, illegalen Sichtkontakt war er zehn Jahre alt. Die Mutter, die ihren Mann viermal im Jahr besuchen durfte, wenn sie selber in Freiheit war, nahm ihren Sohn mit zu einem Lager imEmsland, wo die gefangenen „Moorsoldaten“ Torf stechen mussten...Erlebnisse wie diese verbinden sich in dem Buch mit den Briefen der Eltern zu einer detailreichen, faszinierenden, realistischen Beschreibung der deutschen Welt von damals. Aber eben aus einer ganz besonderen Perspektive: Drittes Reich von links unten

Im Programm der Deutschen Welle sagte im Juni 2003 Alexander Kudascheff:

„Die erzählte Geschichte ist –gerade wegen des traumatischen Bruchs der deutschen Geschichte – die zweite Säule der Erinnerung. Und genau so ein Stück erzählter Geschichte liegt nun ebenso unprätentiös geschrieben wie eindringlich geschildert vor: Nachrichten von Vater und Mutter, heißt das Buch von Peter Wald, der viele Jahre als Nahostkorrespondent und Experte auch bei der Deutschen Welle gearbeitet hat...Wald schildert – ohne jedes Pathos, sachlich, nüchtern, zurückgenommen und auch ohne Heldengestus – ein Leben am Rande einer völlig durchideologisierten Gesellschaft... Das Buch besticht durch seine Einfachheit. Es schildert Erfahrungen, Lebensmomente aus einer gleichgeschalteten Zeit.“